Fotografieren lernen (1/4): Die perfekte Reihenfolge

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fotografieren lernen

Du willst fotografieren lernen, weißt aber nicht, was du zuerst angehen sollst? Wie es optimal ist, schnell und leicht zu herausragenden Fotos zu gelangen?

Es gibt durchaus eine optimale Reihenfolge, um das Fotografieren zu lernen. Die möchte ich dir in diesem Artikel vorstellen.

Woher ich weiß, in welcher Reihenfolge genau DU das fotografieren lernst? Ganz einfach:

  • Ich habe Fotografie studiert und dabei alle Höhen und Tiefen erlebt, die man beim Fotografieren Lernen erleben darf.
  • Seit über 25 Jahren gebe ich Fotokurse und bin so ganz nahe dran an denen, die fotografieren lernen wollen.
  • Ich habe in meinen 9 Büchern gelernt, fotografische Themen so zu strukturieren, dass jeder sie versteht. Deshalb! 🙂

Ok, legen wir los mit einem Zitat, das wie die Faust aufs Auge passt:

Ich weiß, du willst bis ganz nach oben,
doch du musst durchs Erdgeschoss

Die Fantastischen Vier in “Mach dich frei”

So isses – du willst unten anfangen.

Es gibt keine Überholspur, die du einfach nimmst und an allen anderen vorbeiziehst. Zumindest nicht, wenn dir gute Fotos wichtig sind.

 

Fotografieren lernen ist wichtiger als die Kamera bedienen können!

fotografieren lernen
Deine Kamera kann solch ein Foto nicht automatisch für dich fotografieren – das musst du schon tun.

Auch wenn Kameras heute vieles können, sie wissen nicht, was und auf welche Weise du etwas im Foto zeigen willst. Das musst du ihr schon sagen. Der Fotograf ist also immer viel wichtiger für das Endergebnis, als die Kamera.

Das glaubst du nicht? Dann lass dich weiter von den Werbesprüchen der Kameraindustrie einlullen und hör unbedingt auf, hier weiter zu lesen. Die folgenden Zeilen könnten dein Weltbild verändern – also mach dich vom Acker!

Entscheide dich also: Willst du fotografieren können? Oder willst du nur ein perfekter Kamera-Operator sein?

  • Ein Kamera-Operator kann zwar alle Knöpfe seiner Kamera erklären und weiß, was jede einzelne Funktion bedeutet. So lange er aber nicht mit den Möglichkeiten der Fotografie arbeitet, bleibt er ein Knipser.
  • Ein Fotograf nutzt die Optionen und Möglichkeiten der Fotografie, um gute Fotos zu machen. Er setzt die Kamera “nur” zu einem einzigen Zweck ein: um das Foto, das er in seinem Kopf erdacht hat, festzuhalten. Dann kann er es für sich speichern und es anderen zeigen.

Spätestens jetzt sollten all Jene in den Weiten des Netzes verschwunden sein, die denken, Kameras würden Fotos machen.

Der Sand ist weg, übrig bleibt das Gold. 🙂

 

Wie Fotografie funktioniert

fotografieren lernen
Dieses Foto wurde mit einer Kamera aus den 50er Jahren gemacht. Voll analog, auf Film, nicht digital. Rate mal, wie wichtig die Technik für dieses Motiv war….

Schön, dass du zum Gold gehörst! 🙂

Du willst also die Basics der Fotografie verstehen, weil darauf wirklich alles aufbaut. Diese Basics hatte ich oben als “die Optionen und Möglichkeiten der Fotografie” bezeichnet. Gleich erfährst du, was genau ich damit meine.

Wenn wir bei o.g. dem Zitat bleiben, dann ist es also wichtig, ein stabiles Erdgeschoss zu bauen. Wenn das solide gebaut ist und du jeden Raum dieses Erdgeschosses kennst, dann kannst du beliebig viele Etagen oben draufsetzen – es wird halten!

Das Schöne daran: Wenn du dich gut mit den Basics auskennst, kannst du bereits alles fotografieren. Ja, wirklich alles! Denn Fotografie funktioniert immer auf die gleiche Art.

Reduzieren wir es runter auf die wesentlichen Optionen, kannst du mit diesen vier Schritten jedes Motiv fotografieren:

  1. Perspektive wählen
  2. Ausschnitt einstellen
  3. Schärfentiefe festlegen
  4. Belichtungszeit beachten

Das war’s!

Jedes! Einzelne! Motiv!

JEDES!

Schauen wir uns also an, in welcher Reihenfolge du optimalerweise fotografieren lernst. Wie genau das Erdgeschoss aussieht und welche Etagen du späer draufsetzen kannst.

 

Fotografieren lernen – so läuft’s

Ich bin sehr daran interessiert, dass du besser fotografierst. 🙂 Weil ich Bock auf gute Fotografie habe.

Willst du fotografieren lernen, stell dir die Fotografie als Haus vor. Nicht so ein kleines, hutzeliges Zechenhäuschen, sondern eher ein adeliges oder großbürgerliches Wohnhaus:

  • Die Grundlagen der Fotografie sind das Erdgeschoss, da musst du unbedingt durch, wenn du nach oben willst.
  • Dann kommst du in die erste Etage. Dort holst du dir ergänzende Fähigkeiten, die deine Kenntnisse in allgemeiner Fototechnik und Bildgestaltung komplettieren. Das Wichtigste ist gelernt, nur durch praktisches Üben geht es weiter nach oben.
  • Sobald du das machst und die Treppe nach oben nimmst, bist du in der Beletage. Das ist in unserem großen Wohnhaus der Fotografie das beste Geschoss, die am besten ausgestattete Wohnung. Hier willst du dich die meiste Zeit deines fotografischen Wirkens aufhalten – da ist es einfach allzu schön! 🙂 Hier wendest du deine Grundlagen an, fotografierst du die vier ganz großen Themen der Fotografie. Vielen Hobbyfotografen reicht dieses Geschoss und sie bringen darin wahrlich tolle Fotos zustande! 🙂
  • fotografieren lernen
    Beletage und Penthouse – Fotografieren macht dann besonders viel Spaß, wenn du es kannst.

    Ganz oben befindet sich das Penthouse. Um da reinzukommen brauchst du den Schlüssel für den Privataufzug, d. h. hier reichen deine Kenntnisse in allgemeiner Fototechnik und Bildgestaltung nicht mehr aus. Hier geht es um Spezialisierung! Zusätzliche technische und gestalterische Möglichkeiten eröffnen sich dir nur in der Zusammenarbeit mit erfahrenen Spezialisten. Die geben ihre Kenntnisse einem kleinen Kundenkreis nur gegen einen angemessenen Energieausgleich her – und garantiert nicht in Youtube-Tutorials für lau! Schließlich sind diese Kracher schon im Penthouse …

Ich halte diese Reihenfolge für perfekt, damit du schnell zu einem wirklich guten Fotografen wirst.

 

Fotografieren lernen – die Themen

In der folgenden Grafik findest du das alles im Überblick.

Ich war so frei, dir mal zusammen zu stellen, welche Themen du in den einzelnen Etagen des Hauses vorfindest und lernen willst.

In der Beletage wirst du nicht mehr alle Genres fotografieren wollen, denn bis dahin hast du wahrscheinlich deine Lieblingsmotive gefunden – und spezialisierst dich dann weiter in einem einzelnen Bereich.

Oder du willst bewusst alle Genres gleich gut fotografieren können, das ist natürlich auch ok. 🙂

Ob du früher oder später Photoshop für die Bildbearbeitung hinzunimmst, hängt von deinen Ansprüchen und der Art deiner Fotografie ab.

 

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In welchem Stockwerk befindest du dich heute??

Und wo willst du noch hin?

Hinterlasse jetzt einen Kommentar, wenn du an irgendeiner Stelle dieser Übersicht hängst, Fragen hast oder mir mitteilen willst, wo deine fotografische Reise hingehen soll. Ich freu mich drauf! 🙂

Hier kommst du zu Teil 2 dieser Artikelreihe, in der ich dir das Erdgeschoss und die erste Etage näher vorstelle.

63 Kommentare

  1. Toller Beitrag! Schön auf den Punkt gebracht! Ich bin eher der “Allesfotografierer”! Ich denke ich mach mein Ding schon ganz gut aber man lernt ja nie aus und kann immer noch besser werden, von daher freu ich mich auf deinen morgigen Beitrag!? Danke schonmal!

  2. In deinem Beitrag bringst du es meiner Meinung nach wirklich auf den Punkt. Für mich stellt sich die Herausforderung, wenn ich für mich ein Genre gefunden habe (in meinem Fall Landschaft), wie ich in diesem Bereich einen “persönlichen Stil” herauskristallisiere. Dies wäre für mich wichtig und erstrebenswert. Einem Bild eine persönliche Note verleihen, in den eigenen Bildern einen “roten Faden” haben. Dieses Suchen finde ich spannend, manchmal auch frustrierend. Daher bin ich auf die weiteren Beiträge gespannt.

    • Ein Motiv wie Landschaft bietet – für alle Fotografen, die sich zur gleichen Zeit am gleichen Ort aufhalten – oft wenig “Spielraum” für solch einen roten Faden.
      Deshalb ist es da besonders wichtig, eben den einen besonderen Standpunkt, zu dieser einen besonderen Zeit das Foto zu machen.
      Wirklich außergewöhnliche Landschaftsfotografie gelingt deshalb nicht im Vorbeigehen, sondern nur mit viel Geduld und Lauferei.:-)
      Das ist die eine Hälfte.
      Die andere besteht in der optimierten Bildbearbeitung – ohne ist es nicht möglich, den Fotos den roten Faden zu entlocken.
      Ich wünsche viel Erfolg bei der weiteren Suche danach! 🙂

  3. Hallo Karsten,
    ein herzliches Dankeschön für diesen Beitrag und diese Übersicht – Zeigt sie mir doch, wo ich mich befinde. Nach meiner Einschätzung befinde ich mich an der Decke vom Erdgeschoss und sehe, wie sich die verschiedenen Fotothemen wie ein Stahlgerüst durchs ganze Haus hindurchziehen. Wobei ich es für mich mal so bezeichnen möchte: Die Landschaftsfotografie wird mein Haupthaus werden, die Sportfotografie kann ich mir als großen Anbau bei mir vorstellen gefolgt von der Makrofotografie. Die Peoplefotografie wird wohl doch für mich immer das Nachbarhaus sein, welches man sich gerne mit Respekt anschaut, aber weiß, dass man dort nicht einziehen wird. Photoshop könnte ich mir vielleicht als umspannendes Dach vorstellen. Mein Penthouse könnte ich mir vorstellen, wird 2020 erbaut und eingerichtet – Habe da etwas Größeres vor… 😉 – Aber jetzt freue mich auf den nächsten Beitrag von dir. – Also bis Morgen

  4. Hallo Karsten! Vielen Dank für Deinen Artikel. Du triffst es ziemlich genau. Das Erdgeschoss habe ich wohl hinter mir gelassen und knipse in einer Hobbyrunde. Auch wenn ich schon den ein oder anderen Kurs bei Dir belegt hab fehlt mir noch das ein oder andere zur Umsetzung. Der Teufel steckt im Detail. Aber das Üben macht Spaß – auch wenn ich nur wenig Zeit dazu habe…

  5. Eine tolle Idee, es einfach auch mal grafisch so auf die Etagen zu bringen. Meine Grenzen vor einer Woche. Kamera im A-Modus, sonniges Wetter, Urlaub an der Reviera und dann zeigt dieses Ding (Kamera) Error. Nichst ging mehr. Nach Versuchen, nur noch M. Kontrolle Display, nicht möglich, zu viel Sonne. War wie früher “später sehen was was geworden war.
    Man sollte einfach mehr können.
    Danke für das gute Wachrütteln.

  6. Das klingt ja spannend und ich freue mich auf meeeehr.Momentan bin ich in der manuellen Fotografie zu gange wobei ich auf Natur,Tiere und Makro spezialisiert bin.Klappt aber nicht immer,liege da bei geschätzten 30-35%.

    • Uff!!
      30 – 35 %?? So wenig? Du solltest das manuelle Fotografieren dringend richtig lernen. Ansonsten bist du besser mit einer Automatik bedient…

  7. Ich persönlich sehe mich in der Beletage.
    Meine Lieblinge sind /wären die Landschaftsfotografie und People. Da gibt es noch viel zu tun.
    An Macro finde ich die stillife Fotografie spannend. (Schmuck, Uhren, Steine )
    Möchte natürlich auch ins Penthouse, obwohl ich mir diese edele Wohnung
    noch nicht genau vorstellen kann !
    Bin auf deine folgenden Beiträge gespannt………
    Danke !

  8. Danke Karsten. Ich habe schon so viel von dir gelernt und freu mich auf deinen neuen Artikel. Landschaften sind meine Lieblingsmotive, deine Anregungen zu Perspektive und Belichtung helfen mir, manchmal beeindruckende Bilder zu machen. Aber ich muss noch viel lernen um mich in der Beletage sicher zu fühlen. Dann geht’s ins Penthaus.
    Danke für die Hilfe und die Motivation mich immer wieder zu fordern. ??

    • Super, dass dir meine Tipps aus dem Grundkurs noch immer so gegenwärtig sind und dir zu guten Fotos verhelfen.
      Üb fleißig weiter, dann kommt auch Sicherheit. Ist wie beim Auto fahren…. 🙂

  9. Hallo Karsten,

    ein sehr guter Einleitungsartikel. Ich bin gespannt, wohin die Reise noch führen wird. Meine Thema sind Landwirtschaft, Makros, Zoofotografie und ein wenig Architektur. Durch einige Fotokurse habe ich die manuelle Belichtung kennengelernt und bin der Meinung, dass es schon ganz gut geht. Bin mal gespannt, wie Du diese Thema angehst, denn Deine Herangehensweise war bis immer speziell aber hervorragend wie z.b. bei den Makros.
    Viele Grüße

    Jörg

  10. Hallo Karsten,
    das ist ein super Beitrag, Du hast es gut auf den Punkt gebracht.
    Die Frage “wo ich mich befinde” ist gar nicht so einfach zu beantworten.
    Zu einen denke ich, dass ich noch ziellos in der Beletage herumlaufe, habe schon zu einigen Themen fotografiert, keine schlechten Ergebnisse, aber “mein Ding” habe ich noch nicht gefunden.
    Manchmal denke ich aber, dass mir der richtige Blick fehlt, in welcher Etage auch immer man das lernt. Vielleicht hört dieser Lernprozess auch niemals auf?!

    • Danke. 🙂

      Das Sehen lernst im Idealfall schon im Eerdgeschoss – zumindest wirst du da “wachgeküsst”, dass das überhaupt ein wichtiges Thema ist. 🙂

      Aber ich gebe zu: Das hört nie wirklich auf! 🙂

  11. Hallo Karsten,
    nach deiner schönen Übersicht habe ich schon mal ins Penthause reingeschaut und befinde mich noch darunter. Dieses Jahr werde ich mich ein wenig um die Portraitfotografie kümmern obwohl ich da bei mir grosse Bedenken habe. Aber wer weiss, vieleicht machts mir ja Spass. In meinem Photoclub bin ich bei den Bewertungen jetzt schon öfter im ersten Drittel angelangt, die letzten Jahre eher so im letzten Drittel. Mir fehlt aber noch so der richtige Blick, ich mache alles mit viel Aufwand. Da muss noch was kommen 🙂

    LG Tom

  12. Hallo Karsten,

    interessanter Beitrag und Grafik. Ich sehe mich mittlerweile in der Beletage, auch dank deiner Onlinekurse und Literatur. Ziel wäre für mich das Penthouse, was aber sicher noch einige Zeit dauern wird, Nach dem Motto: “gut Ding will Weile haben” baue ich meine Sicherheit noch ein bisschen aus. Meine Bildergebnisse geben mir ausreichend Motivation einen Umzug ins Penthouse anzustreben 🙂

    Viele Grüße
    Monika