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Graufilter: Die wichtigsten Tipps zur Anwendung

Verwischungen dank Graufilter

In meinem Artikel über den Kauf eines Graufilters hast du lesen können, wie du den perfekten Graufilter für dich findest. Und jetzt hast du einen und fragst dich, was du damit anfängst?

Geht gleich los. Doch vorher noch ein Equipment-Hinweis: Ohne ein stabiles Stativ geht hier gar nix!!! Und wenn du schon dabei bist, etwas zu investieren, kauf direkt noch einen Fernauslöser dazu. Dann hast du alles, was du für lange Belichtungszeiten benötigst. Hier findest du Equipmentempfehlungen.

Für die Fotos in diesem Beitrag habe ich den nach meiner Meinung besten Graufilter verwendet, der für Geld zu haben ist. Du musst nur noch die passende Größe für dein Objektiv aussuchen.

Die besten Tipps für die Graufilter-Anwendung

Hier ein paar Infos, die du für die Anwendung wissen musst:

  1. Die Stärke des Graufilters ist für die Länge der Belichtungszeit verantwortlich. Aber du darfst natürlich Blende und ISO-Wert anpassen, um variabler mit den Zeiten zu sein.
  2. Du willst die Belichtungszeit an die Geschwindigkeit der zu verwischenden Bewegung anpassen? Ein gemächlich dahinplätscherndes Bächlein braucht recht lange Belichtungszeiten, um verwischt zu werden. Ein reißender Fluss hingegen kommt auch mit kürzeren Zeiten aus.
  3. Um die richtige Belichtungszeit für die Geschwindigkeit deines Motivs herauszufinden, hilft nur eines: Du musst ein paar Probefotos mit verschiedenen Belichtungszeiten machen. Vergleiche die Ergebnisse und entscheide nach deinem Geschmack.
  4. Nicht immer hilft viel auch viel. Ab einer bestimmten Belichtungszeit nimmt die Verwischung nicht mehr weiter zu. Dann wäre eine noch längere Belichtungszeit nur Zeitverschwendung!
  5. Vor allem bei starken Graufiltern kann die Kamera nicht mehr automatisch scharf stellen. Dann solltest Du ohne Filter scharf stellen, den Autofokus abschalten, den Graufilter draufmachen und fotografieren. Dabei musst Du jedoch darauf achten, dass du die Scharfstellung nicht mehr veränderst!!

Übrigens kannst du in meinem Onlinekurs “Fotografieren mit Graufilter” noch viel mehr über die Arbeit mit dem Graufilter erfahren:

 

Graufilter: Praxisbeispiele Belichtungszeit

Sieh dir diese Beispiele an. Dann verstehst du, was ich meine.

1/90 Sek. bei Blende 16, ISO 1400: Das Wasser ist noch recht wenig verwischt.
1/45 Sek. bei Blende 16, ISO 800: Die Verwischung nimmt zu.
1/30 Sek. bei Blende 16, ISO 400: Die Verwischung nimmt weiter zu.
1/10 Sek. bei Blende 16, ISO 200: Die Verwischung wird schon recht stark.
1/6 Sek. bei Blende 16, ISO 100: Mit dieser langen Belichtungszeit ist für dieses Bächlein die Verwischung schon recht ordentlich.
1 Sek. bei Blende 16, ISO 100: Mit einer Sekunde sieht die Verwischung klasse aus.
15 Sek. bei Blende 16, ISO 1400: Bei 15 Sekunden kommt kaum Verwischung am Wasserfall dazu. Allein unterhalb des quer liegenden Baumstamms nimmt im Bereich des Bachlaufs die Verwischung an der normalen Wasseroberfläche zu. Ob das Ergebnis dir den Mehraufwand an Zeit wert ist, entscheidet nur dein Geschmack. 🙂

Graufilter: Und sonst?

Du kannst Graufilter übrigens bei allen Motiven einsetzen, die sich bewegen und deren Bewegungen du verwischen möchtest: Autos, Eisenbahnen, Wasser, Bäume und vieles andere mehr. Deiner Kreativität sind keine Grenzen gesetzt! 🙂

Bei einem anständigen Sturm sorgt ein Graufilter für schöne Verwischungen.

Klar, dass das nur noch vom Stativ funktioniert. Denn bei den langen Belichtungszeiten würde ohne Stativ alles verwischt und nicht nur die Bewegung. Und der o. g. Fernauslöser sorgt dafür, dass du keine Erschütterungen auf die Kamera überträgst, wenn du den Auslöser betätigst.

Praxistipp: Manche Graufilter, vor allem die starken, erzeugen bei sehr langen Belichtungszeiten einen Farbstich. Den sollte ein automatischer Weißabgleich verhindern können. Falls nicht, kannst du den Stich in einer Bildbearbeitungs-Software wie z.B. Adobe Lightroom entfernen.

Der Okularverschluss

Ach, und noch was: Es handelt sich um eine Kleinigkeit, ein winziges Stückchen Kunststoff. Wird oft mit der Kamera mitgeliefert, liegt im Karton rum und kein Mensch weiß etwas damit anzufangen: Der Okularverschluss. Dieser verhindert, dass durch den Sucher Licht in die Kamera eindringt.

Schau dir mal das folgende Video an, da zeige ich den Okularverschluss.

Letztlich im Workshop hatte ich mal erwähnt, wo der Okularverschluss eingesetzt wird. Daraufhin der Thomas: “Ach dafür ist das?!?? Ich wusste nichts damit anzufangen, da habe ich das Ding direkt in die Tonne gekloppt!” Ja, Glückwunsch!!! 😉

Unerwünschter Lichteinfall

Generell gibt es ja zwei Wege, wie Licht in die Kamera gelangen kann: Durch das Objektiv und durch das Okular, landläufig auch als Sucher bezeichnet. Und jetzt stell dir mal vor, was passiert, wenn du einen sehr starken Graufilter vor das Objektiv setzt. Durch das Objektiv kommt nun kaum noch Licht rein, aber durch das Okular sehr wohl. Und das trifft bei einer Spiegelreflex auf den Spiegel, der natürlich während der Belichtung hochgeklappt ist.

Und jetzt kommt’s: Das Licht dringt an den Rändern des Spiegels vorbei nach unten auf den Sensor – und erzeugt hier eine mehr oder weniger starke Fehlbelichtung. Das sieht dann so aus, wie in der Abbildung unten. Das willst du  nicht, oder?!

Diesen Lichteinfall kannst du verhindern!

Also immer schön den  Okularverschluss aufsetzen. Natürlich musst du ebenfalls vor dem Aufsetzen scharf gestellt haben wie oben beschrieben.

Wie in der Aufnahme oben gezeigt, tritt dieser Lichteinfall auch bei Nachtaufnahmen auf. Nämlich immer dann, wenn von hinten eine Lichtquelle in das Okular strahlt, wie in diesem Fall meine Taschenlampe. Stell dich einfach zwischen Lichtquelle und Okular, damit hast du dieses Problem meist schon im Griff  – zumindest bei Nachtaufnahmen.

Und jetzt wünsche ich dir viel Spaß beim Fotografieren. 🙂

In meinem Onlinekurs „Fotografieren mit Graufilter“ lernst du

  • die Grundlagen, wie du Wasserfälle, turbulente Bäche, das Meer und Wasser allgemein scharf oder kreativ-verwischt fotografierst,
  • deine Kamera zu beherrschen, um atemberaubende Fotos von Wasser(fällen) einzufangen,
  • in zwei Schritt-für-Schritt-Anleitungen, wie du deine Kamera einstellst, um Wasser knackig scharf oder schön verwischt zu gestalten und
  • den Umgang mit dem Graufilter und welchen du dir am besten kaufen solltest.

 

Hast du schon mit einem Graufilter fotografiert? Wie sind deine Erfahrungen?

Verlinkst du mal dein schönstes Graufilter-Foto? Ich würde mich freuen.

10 Kommentare

  1. Stephanie Irmler (neue EMail: steffi.irmler@gmail.com)

    Hallo Karsten
    Habe den Graufilter noch nicht richtig ausprobiert.Werde deine Tipps ausprobieren.Danke
    Bin noch mit Lightroom beschäftigt.Danke für deine Anregung

  2. Siegfried Gerbracht

    Hallo Karsten,
    der Artikel war super, und ich habe deine Ausführungen mit großem Interesse gelesen. Ich stimme dir bezüglich der unterschiedlichen Qualität der Filter voll zu, habe bei Polfiltern mal schlechte Erfahrungen mit einem preiswerten Produkt gemacht. Eine Anregung noch: In die Riege der Graufilter gehören m. E. auch die Verlaufsfilter. Vielleicht kannst du hierzu auch noch ein bis zwei Sätze verlieren.
    LG Siegfried

    • Verlauffilter sind heute unnötig.

      Zum einen bist du mit der Tatsache, dass der Verlauf sich in der Mitte befindet, sehr eingeschränkt.

      Außerdem kannst du pixelgenaue Verläufe extrem flexibel und mit einem Mausklick in Lightroom erstellen.

      Ich finde, das sind unschlagbare Argumente, die das Aus für den Verlauffilter bedeuten.

  3. Thomas Riedel

    Hallo Karsten – das ist mal wieder ein TOP-Beitrag. Klasse Fotos – sehr anschaulich ???? Ein bestimmtes Projekt mit Graufilter-Einsatz habe ich ja noch, aber vorher gibt es noch ein paar andere Projekte…
    Ich freue mich natürlich auf die nächsten Beiträge von dir ????
    Ach ja – jetzt weiß ich, was ich mir nochmal besorgen sollte…-Einen Okularverschluss

    • Danke für’s Lob.:-)

      Schau mal in die Kameraverpackung, falls du sie noch hast. Da ist meist ein Okularverschluss drin. 🙂 Wüsste nicht, ob man die irgendwo kaufen kann … Moment mal … doch kann man: Okularverschluss 🙂

  4. Christian Hamburger

    bei meiner Lumix DMC FZ 200 ist bei Blende 8 schluss.

    • Das ist völlig normal bei Kameras mit kleinen Sensoren. Aber tröste dich: Die Schärfentiefe ist bei Blende 8 an deiner genau so groß, wie die Blende 16 an meiner APS-C.
      Und wenn du die Lichtmenge reduzieren willst, weißt du ja jetzt, wie es geht: Mit deinem Graufilter! 🙂

  5. Felix

    Lieber Karsten
    Danke für die prima Erklärungen!
    Eine Frage: Welche Filterstärke (64?) hast du bei den Praxisbeispielen (Bach) gebraucht?
    Lg: Felix

    • Gerne, lieber Felix. 🙂
      Ja, bei diesen Fotos habe ich tatsächlich einen 64-fach Filter verwendet. Diesen hier: http://amzn.to/2mw4cLX
      Ich ergänze das auch nochal oben im Text.

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