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Bildschirm kalibrieren: mit und ohne Farbkolorimeter

Wie du deinen Bildschirm kalibrieren kannst, lernst du in diesem Artikel.

Kennst du das auch?

In deiner Kindheit kommt deine Tante Lydia immer wieder zu Besuch und bringt dir Zitronenkekse mit? Und du hasst Zitronenkekse!
(ersetze den Namen deiner Tante und ihr Mitbringsel)

Warum macht sie das immer wieder? Weil sie selbst Zitronenkekse liebt und sich gar nicht vorstellen kann, dass du sie nicht genauso lieben könntest. 🙂

Ungefähr so komme ich mir auch immer wieder vor, wenn ich an jeder Straßenecke im Netz lese, dass du deinen Bildschirm nur mit einem Farbkolorimeter kalibrieren kannst. Das ist gut gemeint, aber genauso einseitig wie Zitronenkekse!

Das ist nämlich nur eine Möglichkeit, deinen Bildschirm zu kalibrieren.  Heute stelle ich dir eine weitere Möglichkeit vor.

 

Vorbemerkung

Vor und nach der Kalibrierung: Die Bildschirmwiedergabe ist optimiert und Abzüge sehen so aus, wie das Bild am Monitor. SO soll es sein! 🙂 (Foto: Datacolor)

Ich schreibe diesen Artikel explizit für Hobbyfotografen.

Als solcher willst du deinen Bildschirm auf die für sRGB empfohlenen Werte Gamma 2,2 und Farbtemperatur 6500 Kelvin kalibrieren.

Bist du Profi, können andere Einstellungen sinnvoll sein. Aber das muss ich dir dann ja sicherlich nicht erzählen?!

Lies unbedingt diesen Artikel über Farbräume, in dem ich dir die Grundlagen erkläre und auch, warum eine “professionelle” Arbeitsweise nicht immer den “professionellen” Arbeitsfarbraum Adobe-RGB-erfordert. Das braucht jeder Fotograf als Hintergrundinfo.

Dieser Artikel ist Teil einer Serie, in der ich das Zubehör für die Bildbearbeitung erkläre:

  1. Der Monitor
  2. Farbkolorimeter (dieser Artikel)
  3. Software für die Bildbearbeitung

Bildschirm kalibrieren: Die visuelle Methode

Du kannst deinen Bildschirm per Augenmaß und mit Hilfe einiger kostenloser Tools kalibrieren.

Du fragst dich sicherlich, ob das wirklich funktioniert, oder? Ich sage ja! Aber nur, wenn du Hobbyfotograf bist, auf den sRGB-Farbraum kalibrierst (Entscheidungshilfe hier: über Farbräume) und nicht farbenblind bist.

Männer, holt im Zweifel eure Frauen dazu. Denn die Evolution hat uns zwar wunderbare Fähigkeiten mitgegeben, wie z. B. ein rennendes Wildschwein mit einem Speer zu erlegen. Aber die Fähigkeit, feine Farbnuancen zu erkennen (die man benötigte, um die giftigen von den leckeren Beeren zu unterscheiden), da versagen viele von uns kläglich – das können die Frauen viel besser. So, jetzt habe ich mein Klischee-Soll für heute erfüllt! 😉

Hier kommt nun die Anleitung:

  1. Stelle deinen Bildschirm vor dem Kalibrieren auf die Werkseinstellungen zurück. Dein Bildschirm sollte eine gewisse Mindestqualität besitzen und nicht die allerbilligste Eumelkiste vom Grabbeltisch im Baumarkt sein. Hier habe ich einen erstklassigen Fotografen-Bildschirm für unter 250 € empfohlen. Er bietet alle nötigen Einstellmöglichkeiten (Helligkeit, Kontrast, Farbtemperatur), die ich jetzt gleich anspreche.
  2. In den Einstellungen des Bildschirms (also mit den Knöpfen des Bildschirms und der Anzeige des On-Screen-Menüs) such die Einstellung Farbtemperatur und stelle diese auf 6500 Kelvin.
  3. Starte deine Bildbearbeitungs-Software, z. B. Photoshop, Photoshop-Elements (gerne auch ältere Versionen), Lightroom oder jede andere Farbmanagement-fähige Software.
  4. Das OSD-Menü des Bildschirms kannst du über die Knöpfe am Bildschirm einblenden.

    Lade dir dieses Testbild herunter und öffne es in deiner Software. Nun stellst du den Schwarzpunkt ein. Nutze dafür den Helligkeitsregler deines Bildschirms und stelle die Helligkeit so ein, dass du auf dem Testbild alle Zahlen erkennen kannst. Die Zahl 1 wirst du nur in einem eher schwach beleuchteten Raum erkennen können.  Hintergrund: Mit der Helligkeit stellst du also in Wirklichkeit nur die Helligkeit der dunklen Farben am Bildschirm ein.

  5. Lade dieses zweite Testbild herunter. Nun stellst du den Weißpunkt ein. Nutze dafür den Kontrastregler deines Bildschirms und stelle den Kontrast so ein, dass du auf dem Testbild alle Zahlen erkennen kannst. Hintergrund: Mit dem Kontrastregler stellst du den “Abstand” zwischen Weiß und Schwarz ein. Dieser Abstand sollte möglichst groß sein, damit deine Fotos schön kontrastreich angezeigt werden. Aber nicht zu groß – und dabei hilft dir das Testbild.
  6. Kalibriere das Gamma deines Bildschirms auf dieser Website. Dort ist beschrieben, wie es geht. Mein Tipp: Um wirklich erkennen zu können, ob das Gamma deines Bildschirms gut eingestellt ist, nehmen Brillenträger ihre Brille ab. Siehst du noch gut, kneif deine Augen so stark zusammen, bis du alles unscharf siehst oder stell dich 2 – 3 m von deinem Bildschirm weg. Perfekt wäre, wenn dein Monitor eine Gamma-Einstellmöglichkeit bieten würde. Alternativ kannst du auch an den Einstellungen deiner Grafikkarte das Gamma einstellen oder du nutzt eines der gleich angesprochenen Tools.
  7. Kontrolliere, ob dein Gamma 2,2 beträgt. Das ist genau der Gammawert, den du für eine Kalibrierung auf sRGB benötigst. Nutze dafür diesen Gammatest.
  8. Zum Abschluss überprüfst du die Graudarstellung des Bildschirms. Ist der Bildschirm durch die vorherigen Schritte gut kalibriert, dann sehen bei diesem Test beide grauen Flächen bei unscharfem Hinsehen wie eine große graue Fläche aus. Weicht die linke Fläche in Helligkeit und Farbigkeit von der rechten ab, hast du bei den Schritten 1 – 7 nicht korrekt genug gearbeitet.

Vielen Dank an Ralph Altmann von simplefilter.de für die Testbilder und die tolle Website. 🙂

 

Fazit

Wenn du deinen Bildschirm so kalibrierst, ist er Hardware-kalibriert. Eigentlich die Königsklasse der Kalibrierung: Allein durch die Einstellmöglichkeiten des Bildschirms wird das Monitorbild dazu gebracht, genau so auszusehen, wie es sein soll.

Da muss die Grafikkarte keine Zusatzarbeit verrichten und es braucht keine zusätzliche Software installiert werden. Wenn der Bildschirm diese Einstellmöglichkeiten bietet, ist das also das absolute Optimum.

Doch wie genau ist diese Kalibrierung? Das kommt natürlich darauf an, wie gut du die Farbstiche und Gammaabweichungen beurteilst. Bist du dabei sehr sicher, würde ich mal schätzen, dass du sicherlich 90 – 95  % der Soll-Vorgaben erreichen kannst. Das wird sicherlich nicht beim ersten Mal sofort der Fall sein, aber mit etwas Übung und einem von Haus aus ordentlichen Bildschirm wird das sicherlich hinhauen.

Doch reicht das aus? Es kommt darauf an. Wenn du bisher deinen Bildschirm gar nicht kalibriert hast, wird diese Kalibrierung die Qualität deiner Bildschirmwiedergabe massiv verbessern. Vielleicht wirst du nach kurzer Eingewöhnungszeit gar keinen Unterschied mehr feststellen. Aber du bist sehr viel näher an den Sollwerten und damit werden deine Fotos auf anderen, kalibrierten Monitoren und bei Abzügen aus dem Labor nicht wirklich Scheiße aussehen. Chapeau!

Noch ein Tipp: Auch Hardware-kalibrierte Bildschirme altern je nach Nutzung. Daher solltest du deinen Bildschirm alle 1 – 3 Monate mit der obigen Anleitung überprüfen und dabei neu kalibrieren.

 

Tools für die Bildschirm-Kalibrierung

Das Apple-Kalibriertool empfiehlt immer noch den Kontrast voll aufzudrehen. Das war mal sinnvoll – vor 20 Jahren! 🙂

Am Mac und unter Windows gibt es Tools, mit dessen Hilfe die diese visuelle Methode der Bildschirm-Kalibrierung ebenfalls durchführen kannst:

  • Am Mac findest du unter den Systemeinstellungen unter Monitore/Farben/Kalibrieren den Apple Kalibrierungsassistent.
  • Unter Windows findest du über die Suche das Display Color Calibration Tool.

Beide Tools lassen dich ebenfalls Gamma, Schwarz- und Weißpunkt sowie Farbtemperatur einstellen. Zwei Kritikpunkte habe ich, weshalb ich dir von diesen Tool abrate:

  1. Beide Programme sind sehr rudimentär und teilweise verlangen sie von dir nicht mehr zeitgemäße Voreinstellungen.
  2. Die Testbilder, an denen du den Bildschirm einstellen sollst, sind viel zu klein, um etwas zu erkennen.

Ganz ähnlich ist es mit kostenlosen Tools wie Calibrize oder Monitor Calibration Wizard.

Ich kann dir meine o.g. Methode unter Verwendung der Simplefilter-Website also nur empfehlen! 🙂

 

Bildschirm kalibrieren: mit Farbkolorimeter

Ist dir die visuelle Kalibrierung zu fummelig? Fällt dir der visuelle Abgleich zu schwer? Willst du perfekte 100 % beim Bildschirm Kalibrieren erreichen?

Der Sensor eines Farbkolorimeters bestimmt sehr präzise die Abweichungen deines Monitors vom Sollwert. (Foto: Datacolor)

In den meisten Fällen ist eine Kombination von Hardwarekalibrierung und Softwarekalibrierung optimal, um deinen Bildschirm perfekt zu kalibrieren:

  • An der Hardware, also am Bildschirm, stellst du mit Hilfe der Knöpfe über das OSD-Menü Helligkeit, Kontrast und Farbtemperatur so ein, dass der Bildschirm schon möglichst nahe an die Sollwerte herankommt. Wenn das möglich ist, wäre das perfekt.
  • Mit der Softwarekalibrierung kannst du dann das Feintuning erledigen.

Manchmal kannst du den Monitor nämlich gar nicht oder nicht fein genug einstellen. Viele einfache Bildschirme, oder auch die Monitore von Laptops, bieten keine Einstellmöglichkeit am Gerät selbst. Da musst du dann alles vollständig über die Software erledigen. Das ist immer nur die zweitbeste Möglichkeit!

Dafür bietet die Kalibrierung über ein Farbkolorimeter massive Vorteile. Du als Mensch kannst den Farb- und Helligkeitsvergleich an das Gerät abgeben, das sehr präzise arbeitet. Die korrekte Anwendung vorausgesetzt!

 

Der Spyder 5

Der Spyder 5 ist ein seit langen Jahren immer weiter entwickeltes Produkt und somit sehr empfehlenswert. (Foto: Datacolor)

Solch ein Farbkolorimeter ist der Datacolor Spyder 5. Es gibt ihn in 3 verschiedenen Varianten, von der ich dir die Variante Pro empfehle. Die kostet nur 20 € mehr als die Basislösung Express, bietet aber die Möglichkeit, deine Raumbeleuchtung in die Kalibrierung zu integrieren. Super Idee! 🙂

Wie die Kalibrierung deines Bildschirms mit dem Spyder 5 funktioniert, erkläre ich in diesem Video. Außerdem gibt es empfohlene Voreinstellungen und Empfehlungen von mir.

Solltest du dich wundern, dass ich hier und da im Video auf andere Videos verweise: Dieses Video ist aus meinem Onlinekurs Lightroom komplett entnommen, in dem ich dir zeige, wie du schnell einfach und intuitiv deine Fotos bearbeiten kannst.

Hast du Fragen, Anregungen, Wünsche? Dann hinterlasse sie hier im Kommentar.

Bitte hab Verständnis dafür, dass ich deine individuelle Computer-Konfiguration nicht kenne und daher keine wie auch immer geartete Hilfe bei individuellen Problemen leisten kann.

 

14 Kommentare

  1. Andreas

    Danke für die aufschlussreiche Erklärung😎
    Werde morgen meinen Monitor gleich kalibrieren. Bisher
    war er stets nur im werkseingestellent sRGB modus betrieben

    Andreas

      • Andreas

        🙂 Die Factory Presets (sRGB) waren so gut, dass ich nichts an meinem Monitor ändern musste.

  2. Andy

    Hallo Karsten ,

    Was musst DU denn noch in Berlin lernen ? 🙂

    Auf jeden Fall viel Spaß an der Müritz und gutes Licht und viele Tiere

    Grüße,
    Andy

    • Du weißt doch: Man lernt NIE aus! 🙂

  3. Tom

    Hallo Karsten,
    erst mal vielen Dank für deine ausführliche Anleitung.
    Ich bestelle ja jeden Monat bei Saal grosse Prints in 30×45 und war schon oft unzufrieden mit den Ergebnissen. Monitorbild und Ausdruck wichen zu stark voneinander ab. Werde jetzt mal anhand deiner Anleitung versuchen ob die Ergebnisse nach der Kalibrierung des Monitors besser werden.

    Möge das Licht mit dir sein
    Gruss
    Tom

  4. Sabine Müller

    Hallo Karsten,
    vielen Dank für die ausführliche Erklärung!
    Wünsch dir für heute noch einen erfolgreichen Tag in Berlin.

    Viel Spaß an der Müritz, gutes Licht und viel Glück bei der Tiersichtung!

    Freundliche Grüße, Sabine

    • Gerne, Sabine.
      Ja, ich wünsch mir auch viel Glück… soll ja wirklich toll da sein …
      Ich berichte! 🙂

  5. Magdalena Müller

    Hallo Karsten.

    Wie kann ich denn einen Laptop ohne Hilfsmittel kalibrieren?

    LG
    Lena

    • Hallo Lena,
      das funktioniert in der Regel nicht, denn Laptopdisolays bieten oft keine solchen Einstellmöhlichkeiten.
      Schließ einfach einen externen Monitor an, dann bist du super im Rennen! 🙂 Oben habe ich einen sehr guten für unter 250 € verlinkt.
      Sorry für die schlechte Nachricht, aber irgendeinen Haken müssen Laptops doch auch haben… DASS ist er! :-/
      der Karsten

  6. Thomas

    Hallo Karsten,
    mein Monitor ging nicht zu kalibrieren da habe ich mir den von dir empfohlenen ViewSonic geholt. Der ist wirklich sehr gut. Meine Ausdrucke passen jetzt schon ganz gut von der Farbe her, nur sind sie etwas zu dunkel. Würde den Monitor nur ungerne in der Helligkeit verstellen da vom Empfinden her alles so optimal aussieht. Kann man Lightroom irgendwie beibringen beim Entwickeln immer eine Blende aufzuhellen ?

    LG Tom

    • Hm, Tom, was willst du jetzt von mir hören?? Dass du alle deine Fotos um ein Blende dunkler bearbeiten sollst, damit sie im Ausdruck gut ausshen – aber in allen anderen Medien um eine Blende zu hell??
      Nicht wirklich, oder?
      Kauf dir n Farbkolorimeter für 150 € und du hast Ruhe! 🙂

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