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Farbraum: sRGB oder Adobe-RGB?

Der Farbraum …. unendliche Weiten der Farbigkeit. Hier spricht Captain James T. Kirk auf dem Weg durch die unendlichen Weiten der Farbigkeit und auf der Suche nach der sechzenmillionsten Farbe.

Wir schreiben das Jahr 1996. Vor wenigen Wochen hat sich der örtliche Fensterrat der Microsoft-Galaxie mit Vertretern der HewlettPackard’schen Produktionsstätte für Tintenpiesler getroffen und dem Universum Heilung versprochen: Endlich sollten Fotos auf allen Geräten im ganzen Universum gleich aussehen! Man will dafür den sRGB-Farbraum einführen und allen soll geholfen sein.

Doch kann man diesen Typen trauen? Haben die Kritiker recht, die den Farbraum als unzureichend bezeichnen? Gibt es wirklich eine Alternative zu dem von Experten bevorzugten Adobe-RGB-Farbraum? Das soll unsere Reise klären!

Okay, ich komme mal wieder runter. 🙂

Thema heute: Farbräume

Kirk sei leise!

Hier kommen die harten Fakten nach über 20 Jahren Erfahrung mit dem Farbraum und meine Empfehlungen für dich:

An deiner Kamera kannst du zwei verschiedene Farbräume einstellen: den Adobe-RGB-Farbraum und den sRGB-Farbraum. Welchen davon du verwendest, hat Auswirkungen auf die Weiterverarbeitung und wie gut die Fotos letztendlich beim Betrachter aussehen.

Adobe-RGB-Farbraum

Der Adobe-RGB-Farbraum

Der Adobe-RGB-Farbraum (Rot, Grün, Blau) ist für professionelle Ansprüche gedacht, also für Fotografen, die Werbeagenturen beliefern.

Dort wird meist mit dem größeren Adobe-RGB-Farbraum gearbeitet. Denn Agenturen haben andere Ansprüche an Fotos, weil die Ausgabe später auf großen Druckmaschinen läuft. Diese drucken nämlich mit den Farben Cyan, Magenta, Gelb und Schwarz (das sog. CMYK) und wenn vorher die Farben in Adobe-RGB vorliegen, können diese Farben sehr gut von den Druckfarben wiedergegeben werden. Nur sehr stark gesättigte Farben bereiten Probleme. Doch die Profis in den Agenturen und Druckereien können das durch eine optimierte Farbseparation in den Griff bekommen.

Insofern handelt es sich hier um eine durch und durch professionelle Arbeitsweise, was die Farbumwandlung betrifft. Das hat nichts damit zu tun, ob der Fotograf sehr gut (im Sinne von professionell) fotografiert. Es geht hier nicht um Bildqualität, sondern “nur” um die Weiterverarbeitung im professionellen Umfeld.

 

sRGB-Farbraum

Der sRGB-Farbraum

Der sRGB-Farbraum hingegen ist der kleinste gemeinsame Nenner: Er ist viel kleiner als der Adobe-RGB-Farbraum, was erstmal wie ein Nachteil klingt.

Doch dafür bietet er einen unglaublichen Vorteil: Er umfasst “nur” die Farben, die Monitore, Beamer und Displays wiedergeben können. Damit ist sichergestellt, dass dein Foto auf möglichst vielen dieser verschiedenen Geräte möglichst gleich ausschaut. Weil er kein CMYK umfassen muss, darf er auch kleiner sein.

Dieser Farbraum wurde notwendig, weil Bildbearbeitung irgendwann nicht mehr nur den Profis in Agenturen vorbehalten war und das Veröffentlichen von Bildern im Internet ganz normal wurde. Du ahnst es schon: Das war Mitte der 1990er Jahre, ungefähr zu der Zeit, als die Digitalfotografie für den wohlhabenden Normalbürger verfügbar wurde. Digitalkameras waren damals echt teuer!

Dadurch hatte man damals sicherstellen wollen, dass Fotos auf den Millionen Computermonitoren da draußen (im Internet) möglichst ähnlich – im Sinne von fast gleich – angezeigt werden. Und das funktioniert bestens – für kalibrierte Monitore.

Hintergrundinfo:

Nur wenn ein Monitor in seiner Helligkeit und Farbigkeit auf genormte Sollwerte eingestellt (also kalibriert) ist, sehen Fotos auf unterschiedlichen Monitoren sehr ähnlich aus. Hast du hingegen zwei sehr unterschiedlich hell eingestellte Monitore, sehe die Fotos natürlich auch unterschiedlich hell aus – da macht auch der sRGB-Frabraum nichts dran!

100%ig gleich kann ein Foto auf zwei unterschiedlich eingestellten Monitoren niemals aussehen, oft nicht mal auf zwei Monitoren des gleichen Modells und desselben Produktionstages.

Im Groben und Ganzen funktioniert die “gleiche Wiedergabe” auf möglichst vielen Geräten allerdings doch: Wenn zwei Fotografen sich auf ihren Monitoren das gleiche Foto ansehen, sehen beide weitestgehend das gleiche Foto.Voraussetzung dafür ist natürlich, dass die Monitore jeweils auf sRGB kalibriert sind.

Sobald diese Fotografen sich dann entscheiden, ihre Fotos zu veröffentlichen (auf Websites, in den Sozialen Medien usw.), liegt die Wiedergabe der Farbigkeit und Helligkeit ihrer Fotos nicht mehr in ihrer Hand. Der Betrachter draußen im Internet hat mit Glück auch einen kalibrierten Monitor – dann ist alles super. Doch wenn der Monitor irgendwie zu hell und zu grün eingestellt ist, dann sieht das Foto halt zu hell und zu grün aus. Das ist die bittere Wahrheit, mit der alle Fotografen weltweit leben müssen.

Wichtig ist es halt nur, dass du als Fotograf deinen Monitor nicht zu hell und zu grün eingestellt hast (also einen nicht kalibrierten Monitor verwendest)! Denn was würdest du tun?! Du siehst bei der Bildbearbeitung ein Foto, das zu hell und zu grün aussieht. Also machst du es dann in der Bildbearbeitung dunkler und nimmst Grün raus. Dadurch schlägt die Farbigkeit aber in die Komplementärfarbe Magenta um. Und so würden alle Betrachter da draußen deine Fotos sehen: dunkel und magentastichig. Nicht schön!

Weil die Kalibrierung so ein wichtiges Thema für uns Fotografen ist, folgt ganz bald ein weiterer Artikel dazu.

Wir können also durch die Kalibrierung nur unser Bestes tun, damit unsere Fotos da draußen möglichst gut aussehen. Was danach geschieht, liegt nicht mehr in unserer Hand.

 

Empfehlungen: Der optimale Farbraum

Für die meisten Fotografen ist der sRGB-Farbraum der Richtige.

Doch welchen dieser Farbräume solltest du nun verwenden?

Das Wort “professionell”, das ich beim Adobe-RGB-Farbraum verwendet hatte, suggeriert, dass jeder diesen Farbraum verwenden sollte, der seine Fotos möglichst optimal aussehen lassen möchte.

Doch dem ist nicht so!

In beiden Farbräumen kannst du deine Fotos tiptop aussehen lassen!

Der Adobe-RGB-Farbraum erfüllt einfach nur andere Anforderungen, die Werbeagenturen an die Fotos von Profifotografen haben. Er ist zwar größer, aber dadurch nicht besser oder schlechter – nur anders.

Solange du als Hobbyfotograf unterwegs bist – egal auf welchem Level, ob Anfänger oder Semiprofi – ist der sRGB-Farbraum für dich der Richtige. Mit ihm sehen deine Fotos sowohl im Internet, auf deinem Fernseher und auch bei der Videobeamer-Präsentation perfekt aus.

Aber auch, wenn du deine Fotos ausdruckst oder in einem Labor entwickeln lässt, ist der sRGB-Farbraum perfekt geeignet. Denn die Maschinen der Labore sind ebenfalls auf sRGB kalibriert. So erhältst du die Fotos genau so, wie du sie an deinem Monitor eingestellt und gesehen hast. Auch viele Profis, die nur für Endkunden arbeiten, arbeiten ebenfalls im sRGB-Farbraum. Denn auch ihre Endkunden zeigen Fotos gerne in den sozialen Medien oder bestellen Abzüge in einem Labor.

Also nichts wie ran an deine Kamera und checken, ob du sRGB eingestellt hast. Dafür findest du im Menü der allermeisten Kameras einen Menüpunkt “Farbraum”, in dem du sRGB einstellen kannst. Mach das und vergiss das alles wieder – du wirst es nie wieder umstellen müssen. 🙂

Perfekte Fotos machst du heute nur dann, wenn du deine Fotos bearbeitest. Den richtigen Farbraum für deine Anforderungen einzustellen, ist dafür der erste Schritt!

 

Was sagst du: Wusstest du überhaupt, dass du den Farbraum einstellen kannst? Oder hast du das schon längst erledigt? Lass mich im Kommentar  wissen, wenn du eine Frage zum Thema hast.

16 Kommentare

  1. Gerd Br.

    Hallo Karsten.

    Warum soll ich mich schon von vornherein auf einen kleineren Farbraum festlegen ?
    Man kann doch jederzeit von dem größeren Farbraum (Adobe-RGB), in den kleineren
    Farbraum ( sRGB) konvertieren.

    Mein Eizo Monitor kann 99% Adobe_RGB darstellen. Falls man wirklich mal in CMYK
    wandeln möchte, geht das mit sRgb ohne Verluste auch nicht.

    Sehe die Notwendigkeit nicht, warum ich schon in der Kamera den kleineren
    Farbraum einstellen soll.
    Vergib mir doch nichts wenn ich AdobeRGB wähle.

    Hab ich da was missverstanden ?

    LG
    Gerd

    • Die Frage ist, wie du deine Fotos am Ende präsentierst:

      Online oder auf Fernseher/Beamer? Dann wird das Mehr an Farben, die du in der Datei hast, nicht angezeigt, weil die Geräte es nicht können.

      Im Abzug? Dann wird das Mehr an Farben, die du in der Datei hast, nicht angezeigt, weil die Papiere sie nicht wiedergeben können.

      Im Druck auf einem Tintenstrahl-Drucker? Einen Drucker, der sRGB oder gar AdobeRGB komplett darstellen kann, gibt es nicht. Schon aus rein physikalischen Gründen können die Farben von einer reflektierenden Fläche wie Druckerpapier niemals so leuchtend sein, wie die leuchtende Fläche eines Monitors.

      Wenn du in Zukunft also deine Fotos ausschließlich auf deinem 99%-Adobe-RGB-Monitor ansehen willst, kannst du in der Kamera Adobe-RGB wählen. In allen anderen Fällen ist es sinnlos.

  2. Bruno Becker

    Endlich eine vernünftige Erklärung zu Adobe RGB und sRGB. Sicher bin ich einer von vielen, die auf eine derartig verständliche Aufklärung gewartet haben. Danke!

  3. Brigitte Hermes

    Hallo Karsten,
    das Thema zum “Farbraum” ist wieder eine gelungene Aufklärung.
    Vielen Dank dafür!
    LG
    Brigitte Hermes

    • Hey, Brigitte, ich klär dich gerne auf! 😉

  4. Reiner K.

    Nun habe ich es endlich auch begriffen. Man sieht es immer nur auf Abbildungen 2-dimensional, obwohl es ja „Raum“ heißt.
    Danke

    • Wer will, findet immer einen besseren Weg, es zu zeigen. Danke dir! 🙂

  5. Thomas

    Eine gute Erklärung und leicht nachvollziehbar.
    Danke !

  6. Falk

    Danke für die aufschlussreiche Erklärung. Hatte mich für Adobe RGB entschieden, Kamera umgestellt (weil man will ja Profi sein) und mich gewundert, warum die Gesichter auf den Fotos, die ich via Email gesendet habe, aussahen wie bei Leichen…. Die Rot- und Orangetöne waren fast weg.
    Nun stelle ich wieder auf sRGB, zum Glück habe ich alle Fotos als RAW.

    • Wunderbar, freut mich, wenn ich helfen kann. 🙂

  7. Klaus

    Hi Karsten,
    super Erläuterung, rückt so einiges ins rechte Licht!
    Hab ich eigentlich den Hinweis übersehen, dass die Farbraum-Einstellung an der Kamera nur dann einen Sinn hat, wenn ich die Fotos in JPG weiter verarbeite oder hast Du ihn weggelassen? 😉
    Viele Grüße
    Klaus

    • Du meinst, weil du im Photoshop-RAW-Konverter noch das an die Bildbearbeitung mitgegebene Profil einstellen kannst?

      Ich finde, diese Einstellung macht für jeden Amateur sehr viel Sinn, daher bin ich auf akademische und damit wenig praxisrelevante Fragen nicht eingegangen – und habe den Hinweis weggelassen. Denn in der von mir empfohlenen Software Lightroom ist es ohnehin unerheblich, welches Profil du mitgibst – die Fotos werden ohnehin intern in einem viel größeren Farbraum verarbeitet.
      Bei der Ausgabe daraus musst du nur darauf achten, wieder in sRGB auszugeben – wie von mir an anderer Stelle empfohlen.

  8. Andreas Schilhab

    Servus, mich hat das Thema auch aktuell erwischt, fotografiere auch immer (seit Jahren) im RGB & Raw Modus. Hatte gestern als “gute Nacht Geschichte” ein neues Foto Buch gelesen und war ganz entsetzt das man den sRGB einstellen soll. Das erste heut früh gleich mal “gegoogelt” und auf deine Erklärung gestossen… mit einem Aha Effekt!
    Danke !!
    Ich nutze auch Lightroom quasi von Beginn an und hab mal gelesen man soll in “LR” den “ProPhotoRGB” einstellen!
    Was hat jetzt der auf sich?
    Wenn ich mir die Frage Erlauben darf?
    Besten Dank schon mal.
    Jedenfalls war deine Erklärung, die verständlichste. Wenn ich das so lese wohl nicht nur für mich!
    An der Stelle nochmal DANKE!
    Viele Grüße Andy

    • Gern geschehen, Andreas. 🙂

      Der ProPhotoRGB-Farbraum ist extrem groß und stellt – stark vereinfacht – alle theoretisch möglichen Farben dar. Das ist gut, wenn du mit digitalen Fotos arbeitest, denn diese nutzen ja die existierende Farben unserer Umwelt.

      Intern arbeitet Lightroom im Entwicklungsmodul mit diesem sehr großen Farbraum, um keine Farbe “herausfallen” zu lassen. Erst bei der Ausgabe stellst du dann den gewünschten Farbraum ein, um dann die geforderten Anforderungen deines Bedarfs zu decken. Aus Gründen, wie oben im Artikel erwähnt, stellen Amateure hier in den allermeisten Fällen sRGB ein, für Professionelle Anwender wird AdobeRGB genutzt.

      Nebenbei: In den meisten anderen Modi verwendet Lightroom zur Anzeige AdobeRGB – nur das Entwicklungsmodul nutzt ProPhotoRGB.

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