Polarlichter in Deutschland fotografieren – geht das?

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Zuletzt aktualisiert am 17. November 2023 von Karsten Kettermann.
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Wenn du immer schonmal Polarlichter fotografieren wolltest – das geht jetzt auch in Deutschland!

In meiner Inspiclass reichte Carola Heneweer mir das Foto oben ein und wollte hören, was ich dazu zu sagen habe.

Ich war ehrlich gesagt etwas geschockt:

Zu lesen, dass dieses Foto in der Eifel fotografiert wurde, hat mich zwar einerseits sehr für Carola gefreut. Aber warum war ich schon x-mal nach Island gereist, um Polarlichter zu fotografieren?

Auf Island habe ich auch bisher eher nur fotografisch nachweisbare Polarlichter fotografiert. Die sieht man mit dem bloßen Auge kaum, erst nach einer ein- bis zweiminütigen Belichtungszeit. :-/
Und die roten Polarlichter, die in größerer Höhe vorkommen, habe ich noch nie fotografiert … verd….!

Egal, mit diesem Artikel will ich dir alle Informationen zukommen lassen, damit auch du bald so ein Foto machen kannst.

Polarlichter in Deutschland fotografieren

Legen wir los. Zuerst einiges an Hintergrundwissen:

polarlichter fotografieren
Polarlichter gibt es 2023 auch in Deutschland
  • Etwa alle 11 Jahre dauern üblicherweise die Sonnenzyklen. Am Höhepunkt dieser Sonnenzyklen gibt es sehr viele Sonnenflecken und die sind verantwortlich für besonders starke Polarlichter.
  • Üblicherweise kannst du Polarlichter nur ganz weit im Norden (oder im Süden) des Planeten sehen. Island ist noch ziemlich südlich. Viel sicherer wird es in schwedisch Lappland oder nahe dem Nordkap. Dass wir Polarlichter in Deutschland fotografieren können, ist echt selten!
  • Diese stärkere Sonnenaktivität wird wahrscheinlich noch mehrere Monate andauern, beste Voraussetzungen also, in diesem Winter bei klarer Sicht schicke Fotos zu machen. Hier noch ein Bericht der Tagesschau.
  • Hier kannst du dir die Polarlicht-Vorhersage für Deutschland holen. Sobald es in den Vorhersagen gelb, orange oder rot wird, wirst du wahrscheinlich beste Voraussetzungen haben. Allein heute gab es schon drei stärkere Ausbrüche!
    Hier findest du auch den Link zu einer App, die bimmelt, wenn es losgeht.
  • Kombiniere diese App mit der Polarlicht-Warnliste, dann bist du bestens vorbereitet und kannst Polarlichter fotografieren.
  • Wenn du es aber ganz genau wissen willst, lies doch diese sehr detaillierte Anleitung für Einsteiger.

Polarlichter fotografieren: Praxisanleitung

Und jetzt erfährst du, wie es geht. Die Informationen habe ich meinem Buch Nachtfotografie entnommen und kurz zusammengefasst:

polarlichter fotografieren
  • Finde eine dunkle Location mit unversperrtem Blick nach Norden und mit wenig Lichtverschmutzung.
  • Beziehe einen interessanten Vordergrund mit ins Bild ein. Oft wirken Polarlichter besonders klasse, wenn ein Baum, eine Kirche oder anderes in den Himmel ragt.
  • Stelle deine Kamera auf ein stabiles Stativ. Nutze ggf. einen Fernauslöser oder den Selbstauslöser, um die Kamera nicht beim Auslösen berühren zu müssen. Hab am besten einen Ersatzakku (in der Hosentasche!) dabei, denn wenn es draußen kalt wird, hält ein Akku weniger lange durch.
  • Verwende ein lichtstarkes Objektiv und wähle einen Ausschnitt, der das Polarlicht vollständig aufnimmt. Bei sehr lichtstarken Festbrennweiten, die mit Blende 1,4 o.ä. beginnen, blende um 2 Blenden ab. Das machst du auch bei lichtstarken Zoomobjektiven, die meist bei Blende 2,8 anfangen. Kostengünstige Kit-Objektive nutzt du mit größter Blende, das ist i.d.R. Blende 5,6.
  • Stelle auf einen Stern scharf. Unter Umständen kannst du mit dem Liveview besser scharfstellen, als durch den Sucher. Dort kannst du das Bild mit Druck auf die Plustaste vergrößern. Dann siehst du besser, worauf du scharfstellst.
  • Stelle deinen ISO-Wert bei
    • sehr gut sichtbaren Polarlichtern auf ISO 400,
    • bei schwach sichtbaren Polarlichtern auf ISO 800 und
    • bei fast kaum sichtbaren auf ISO1600.
  • Wähle den Modus M und wähle die Einstellung T (time), alternativ B (bulb). Wenn du diese noch nicht kennst, lies in deiner Bedienungsanleitung nach, wie du sie optimal einsetzt. Bei B bitte mit Fernauslöser!
  • Belichte wie folgt:
    • Gut sichtbare Polarlichter: 15 sec bei einer Festbrennweite, 30 sec mit einem Zoomobjektiv
    • Schwach sichtbare Polarlichter: 30 sec bei einer Festbrennweite, 60 sec mit einem Zoomobjektiv
    • Fast kaum sichtbare Polarlichter: 1 – 2 min mit einer Festbrennweite und 2 – 4 min mit einem Zoomobjektiv.
  • Kontrolliere im Display nach der Aufnahme, ob das Foto zu hell oder zu dunkel ist. Falls zu dunkel, verlängere die Belichtungszeit. Falls das Foto zu hell wird, verkürze sie. Bedenke, dass eine Verdopplung die Helligkeit verdoppelt, eine Halbierung die Helligkeit halbiert.

Sammeln wir ein paar Polarlichter?

Warst du mit dieser Anleitung erfolgreich? Dann will ich dein Foto sehen!

Ich würde mich sehr freuen, wenn du dein Foto hier hochlädst. Doch lade niemals das Foto eines anderen hier hoch, ok?! Scrolle ans Ende dieser Seite, dort findest du das Kommentarfeld.

Oder hast du Fragen oder etwas nicht verstanden? Dann schreibe mir einen Kommentar, ich helfe gerne!

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4 Kommentare

  1. Hallo Karsten,

    das musste ich jetzt natürlich auch probieren und siehe da: Es klappt auch bei mir. Danke für die Anleitung, die ich aus deinem Buch zwar schon kannte, aber immer gut funktioniert hat.

    Viele Grüße
    Katja

  2. Hier noch ein zweites, auch weil ich natürlich vergessen habe zu sagen, dass es am Senftenberger See im Süden vom Land Brandenburg am 11.5.2024 um ca 23 Uhr entstanden ist.

    Alles Gute
    Katja

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