Wie dir hohe ISO-Werte den ..sch retten (Teil 2)

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Problem Bildrauschen? Wirklich?

Dies ist der zweite Teil meines Blogbeitrages, in dem ich dir im ersten Teil (Problem Bildrauschen Teil 1) bewiesen habe, dass Bildrauschen, bedingt durch hohe ISO Werte, kein Problem jetzt ist – zumindest nicht solange du deine Bilder nur im Internet zeigst.

Doch was passiert, wenn du deine Fotos ausdruckst oder in einem Labor Abzüge erstellen lässt?

Um diese Frage zu beantworten, habe ich von einem Foto Abzüge in einem Fachlabor in den Größen 10 x 15, 15 x 22, 21 x 30, 30 x 45, 40 x 60 und 60 x 90 cm erstellen lassen.

Hier das Foto:

ISO 3200: Duster ist es um 8:13 Uhr in Reykjavik – optimal für den Bildrauschen-Test.

Problem Bildrauschen: Die Voraussetzungen für den Bildrauschen-Test

Warum habe ich dieses Foto gewählt? Und wie habe ich diesen Test so durchgeführt, dass Qualitätsverschlechterungen durch den hohen ISO-Wert besonders stark zum Tragen kommen?

Der Testkandidat

  • Das Foto ist mit ISO 3200 gemacht. Das Bildrauschen ist in der 1:1-Ansicht deutlich sichtbar (s.u.).
  • Dieses Foto ist früh morgens in der Dämmerung bei ganz wenig Licht entstanden.
  • Weil hier wenig Licht vorhanden war, muss die Kamera dieses wenige Licht extrem verstärken, um überhaupt ein richtig belichtetes Foto aufzunehmen. ISO funktioniert nämlich so: Das elektrische Signal, das der Sensor abgibt, wird durch einen Verstärker so weit verstärkt, dass das Bild hell genug wird. Ist wie bei der HIFI-Anlage, mit dem Unterschied dass du in der Fotografie das Rauschen nicht hörst, sondern siehst. 😉 Immerhin habe ich bei ISO 3200 den Sensor nur mit 1/32 des Lichts belichtet, das er eigentlich benötigt hätte (wenn wir mal ISO 100 als Grundempfindlichkeit annehmen). Da muss das wenige Licht (Signal) schon gehörig verstärkt werden…
  • Der Kontrast zwischen den hell erleuchteten Fenstern und den tiefen Schatten auf dem Zaun links ist extrem hoch – eine schwierig zu meisternde Arbeit für jede Kamera.

Die Kamera und Bildbearbeitung

  • Ich habe eine “alte” Kamera aus dem jahre 2012 verwendet (Nikon D800). In der Zwischenzeit ist das Bildrauschen bei aktuellen Kameras noch besser geworden.
  • Ich habe die kamerainterne Entrauschung bei langen Belichtungszeiten und ISO-Werten (2 Einstellmöglichkeiten im Menü der Kamera) ausgeschaltet. Das ist immer das erste, was ich an meinen Kameras einstelle.
  • Ich habe das Foto auch in Lightroom nicht entrauscht. Mach ich nur ganz selten.

Bildrauschen ist also immer dann besonders schlimm, wenn du bei wenig Licht fotografierst. Bei viel Licht, also tagsüber, fällt hingegen das Bildrauschen gar nicht ins Gewicht, weil die Kamera ja nicht gezwungen ist, ein besonders geringeres Signal durch wenig Lichteinfall zu kompensieren und zu verstärken.

Hier siehst du, wie das Bildrauschen dieses Fotos in der 1:1-Ansicht aussieht. Ganz schön reichlich oder?

In der 100%-Ansicht ist das Bildrauschen gut zu erkennen.

Doch wie sehen nun die Abzüge aus?

Problem Bildrauschen: Die Ergebnisse des Bildrauschen-Tests

Sieh dir einfach das Video an, darin erkläre ich dir alles Weitere. Und du kannst sehen, ob Bildrauschen bei Abzügen wirklich ein Problem sind.

Fazit: Bildrauschen ist niemals deine Ausrede für schlechte Fotos!

Wie du siehst, tritt Bildrauschen auch bei wirklich schwierigen Motiven im Abzug nicht wirklich ins Gewicht. Ebenso wie bei der Präsentation im Internet.

Also nutze diese fantastische Möglichkeit, auch bei schlechtem Licht klasse Fotos zu erstellen. Ich mach’ das schließlich auch! 😉 Problem Bildrauschen?? Sicher nicht!!!

Hat der Artikel gefallen? Hättest du diese Ergebnisse erwartet? Hinterlasse jetzt ein Kommentar, ich freue mich drauf.

20 Kommentare

  1. Hallo Karsten, sehr informativer Beitrag zum Bildrauschen mit einer super Erklärung, die einem die Angst vor dem Bildrauschen nehmen kann.
    Persönliche Erfahrungen kann ich hier an dieser Stelle im Moment nicht einbringen, nur soviel, dass nach dieser Erklärung das Bildrauschen mich nicht mehr verängstigen kann. Im Zweifelsfall würde ich ja sowieso etwas Bildrauschen zu lassen, als auf das Foto zu verzichten.
    Sehr interessant fand ich den Vergleich mit den unterschiedlichen Bildformaten und die Erklärung zu unserer menschlichen Betrachtungsweise.

    • Danke. 🙂
      Mit der Größe des Bildes wächst der Betrachtungsabstand. Eigentlich klar, wenn man nur mal drüber nachdenkt …
      Leider verrotten viele tolle Bilder auf Festplatten – schade.

  2. Hallo Karsten,
    wie immer gut erlärt und mit dem Video über Auge und Ohr direkt in den Kopf so prägt sich wichtiges ein 🙂 Die technischen Vorausetzungen für ein Foto werden oft total überbewertet. Was nützt mir ein Foto das ich aus Angst vor Rauschen nicht gemacht habe ?

    Ich lasse mir jetzt regelmäßig von meinen guten Fotos Ausdrucke in 30x40cm machen. Teilweise kommen sie an die Wand, jeden Monat werden 2 in einen internen Fotowettbewerb im Fotoclub abgegeben wo man sich die Kritik anhören muss . In 3 Wochen muss ich meine ersten abgeben.

    Danke für den Newsletter
    Gruss
    Tom

  3. Hallo Karsten,
    mal wieder ein super informativer Artikel von dir.
    Danke dafür.
    Ich, als Neuling, sauge alle Informationen auf und versuche, deine Anregungen umzusetzen.
    Jetzt werde ich mich mal trauen, Bilder bei unzureichenden Lichtverhältnissen zu machen, ich bin gespannt, was dabei rauskommt.
    Machst du diese Bilder mit Stativ oder reicht die Belichtungszeit “aus der Hand”?
    Liebe Grüße
    Conny

    • Hohe ISO-Werte sind für zwei Motive gut: Motive, die bei wenig Licht fotografiert und Motive, die sich schnell bewegen.

      Bei wenig Licht reicht die ISO-Automatik, damit du die Fotos aus der Hand fotografieren kannst – etwas Licht natürlich vorausgesetzt. Wenn praktisch gar kein Licht mehr vorhanden ist (Stichwort Nachtaufnahmen), musst du ein Stativ einsetzen. In diesem Fall darfst du aber auch mit einem geringen ISO-Wert (z.B. 100) arbeiten, denn der Kamera und dem Stativ ist es egal, ob du mit 3 sec oder 30 sec belichtest.

      Bei schnellen Bewegungen bringt dir ein Stativ nichts, denn die Bewegung ist das Problem. Und nicht du! Denn wegen deines Gewackels (denn du bist eben kein Stativ, sondern aus Fleisch und Blut) setzt du ja ein Stativ ein.
      Um schnelle Bewegungen einzufrieren brauchst du nur hohe ISO-Werte und kein Stativ!

  4. Hallo, war wieder ein interessanter Beitrag. Leider hab ich im Moment keine eigenne Bilder mit hohem ISO. Deshalb auch keine eigene Erfahrungen bei diesem Thema. Grüße Michael

  5. Hallo Karsten,

    vielen Dank für diese tollen Infos und den Vergleich. Es freut mich wirklich sehr, dass ich mir nicht ganz so viele Gedanken machen muss und in Zukunft mit mehr Selbstbewusstsein an die Sache herangehen kann und weniger Angst haben muss, dass ein evtl. Rauschen den Kunden stört bzw. ich in einem solchen Fall dann weiß, wie ich argumentieren kann. LG, Jennifer

    • Diese Kunden gibt es immer wieder, die meinen, sich von solchen Dingen leiten zu lassen und damit den Fotografen aus Unwissenheit das Leben erschweren. Aber zaubern ist nicht und müsste auch passend bezahlt werden. Spätestens da wird es dann auf einmal egal, wenn es etwas rauscht… in dem SInne viel Spaß mit hohen ISO-Werten. 😉

  6. Hallo Karsten,
    habe gerade den Video über das Bildrauschen gesehen und bin ganz erstaunt! Wollte zwei Leinwände entsorgen, da die Fotos mir unscharf und rauschig vorkamen. Erstaunlicherweise nur mir!!! Selbst andere ‚Fotografen‘ hatten kein Problem damit. Erst als ich Sie darauf hingewiesen habe, fingen sie an zu suchen (Lupe😃). Nun bleiben sie hängen wie sie sind!!!
    Danke für diesen weiteren tollen Tipp!
    Schönen Abend und bis bald!
    Liebe Grüße
    Sabine

  7. Danke Karsten. Die Sache mit dem Betrachtungsabstand ist doch sicherlich auch vergleichbar mit den abnehmenden Bildauflösungen bei zunehmender Größe der zu druckenden Fläche. Die Herangehensweise, die technischen Fehlerchen nicht über den Spaßfaktor zu stellen, finde ich klasse.

    • Ja, Christiane, so ist es: Je größer die zu druckende Fläche, umso niedriger darf die Auflösung sein.

      Man hat sogar mal festgestellt, dass beim Bekleben eines Flugzeugs das Foto unschärfer aussah, wenn man die Druckauflösung zu hoch wählte. Bekloppt, aber wahr! 🙂

  8. Karsten, was soll ich sagen … Scheisse! – bist Du gut!!!
    Die „Bildrauschenphobie“ ist Geschichte!
    Ich freue mich auf weitere Erkenntnisse!
    Vielen Dank für Deine Artikel
    Liebe Grüße
    Sonja

  9. Hallo,

    ich verstehe die Einstellung vieler Leute hier gerade nicht?! Weil jemand sagt dass ihr Rauschen nicht schlimm finden müsst ( keine Angst davor haben müsst…:) ) empfindet ihr es auf einmal als gut?!

    Ich persönlich finde Rauschen einfach super nervig und sehr unästhetisch. Ich mag auch kein Korn oder Artefakte o.ä. . ( Das ist meine persönliche Meinung dazu )
    Vorallem bei Portraits, empfinde ich es als sehr störend.

    Für mich muss ein perfektes Bild einen absolut “cleanen-look” haben, ohne störendes Gegrissel. In natura sehe ich meine Welt auch nicht verrauscht ( ja der ein oder andere schon, je nach Pegel 🙂 )

    Was allerdings korrekt ist, dass man es nur bei starker Vergrößerung wirklich wahrnimmt, oder halt bei größeren Drucken.

    Nichtsdestotrotz, verzichte ich eher auf ein Bild, als eine Einschränkung ( in meinem Fall das Rauschen ) hinnehmen zu müssen. Das betrifft allerdings nur geplante perfekte Bilder.
    Bei Schnappschüssen interessiert es mich weniger.

    Aber wie immer im Leben ist dies einfach Geschmacksache und mir persönlich schmeckt Rauschen gar nicht. ( insofern es deutlich wird im Bild )

    Viele Grüße

    • Hallo Lena,
      ich weiß nicht, wo du das gelesen haben willst, dass jemand Bildrauschen gut findet…..?!
      Niemand findet Bildrauschen toll, ich auch nicht.

      Man sollte aber das Thema nicht zu hoch aufhängen und wegen Bildrauschen gute Fotos entsorgen. Ein gutes Foto ist nämlich oft gerade wegen des Bildrauschens gut: Hättest du den hohen ISO-Wert nicht gewählt, wäre es unmöglich, bestimmte Motive zu fotogrsafietren.

      Ein Beispiel: Fotos der Milchstraße mit punktförmigen Sternen. Fotografierst du mit niedrigem ISO-Wert, musst du die Belichtungszeit so lang wählen, dass die Sterne strichförmig werden. Denn das Sternenlicht ist so schwach, dass selbst mit hoch-lichtstarken Objektiven lange Belichtungszeiten nötig sind. Obwohl diese Fotos “geplant-perfekt” sein sollen, ist dies technisch nicht möglich. Du hast also die Wahl: Auf punktförmige Sterne verzichten oder Bildrauschen in Kauf nehmen.
      Ach Moment, in natura kannst du ja Sterne gar nicht strichförmig sehen, also “darfst” du das gar nicht fotografieren?!

      Du siehst, Bildrauschen ist doof, manchmal aber ein notwendiges Übel, das deine fotografischen Möglichkeiten erweitert. Nicht mehr, aber auch nicht weniger!

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