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Wie du mit einem kleinen Trick perfekte Fotos komponierst

Bildkomposition ist das vorteilhafte Arrangieren von Motivteilen auf der Bildfläche, die das Auge des Betrachters anzieht und es möglichst lange im Bild verweilen lässt.

Wenn du das mit einem Foto schaffst, dann entlockst du den Betrachtern deiner Fotos ein “WOW!” – deshalb wird das auch WOW-Effekt genannt. 🙂

SEX und der WOW-Effekt

Praktisch geht es dabei um SEX (nein nein, hat nix mit dem Austausch von Körperflüssigkeit zu tun!) : SEX ist nur eine Abkürzung, gebildet aus den Anfangsbuchstaben zweier englischer Wörter. 😉

Es geht um die Vereinfachung des Bildes (Simplification) und den Ausschluss aller unerwünschten und ablenkenden Elemente (EXclusion). Und zwar so lange, bis das aussagekräftigste, aber einfachst-mögliche Bild entstanden ist. Der Rest muss nur noch zueinander ausbalanciert werden, damit ein starkes Bild entsteht.

Du willst die Elemente des Bildes so organisieren, dass es auch für einen Betrachter spannend ist, der beim Fotografieren nicht dabei war. Oder aber dein Foto wird langweilig. Leider wahr!

Bildkomposition hängt von den grundlegenden Strukturen eines Fotos ab. Diese sorgen für den oben erwähnten WOW-Effekt, der unseren Blick im Bild hält. Die Hauptelemente des Motivs müssen dafür richtig (also visuell spannend) arrangiert sein, während alles möglichst einfach und direkt gehalten wird.

Wenn ich ein Foto komponiere, dann achte ich gar nicht auf Details und Texturen – sie sind unwichtig. Ich versuche meine Augen stark zusammen zu kneifen und dadurch unscharf zu stellen. Brillenträger könnten statt dessen auch ihre Brille abnehmen.

Nun erkenne ich nur noch die Hauptelemente des Motivs als Formen und Flächen. Diese versuche ich so zu arrangieren, dass sich eine möglichst starke Bildaussage ergibt. Denn diese Formen, Farben und Kontraste ziehen unsere Blicke an.

Ich versuche alles andere wegzulassen, um das klarste, sauberste, einfachste, ausbalancierteste und damit beste Foto zu erhalten.

Bildkomposition: Ausschnitt und Perspektive

Zoomen hat mit all dem nichts zu tun, es ist ausschließlich das Drehen am Zoomring für die Festlegung des Bildausschnitts.

Nur wenige Fotografen begreifen dies, denn sie meinen immer noch, dass Zoomen eine Veränderung des Standpunkts ersetzen kann. Doch dem ist nicht so!!!

Ausschließlich dein Standpunkt verändert die Beziehung der Elemente im Bild zueinander und ist deshalb als Teil des Bildkompositions-Prozesses extrem wichtig.

Bildkomposition – ein Praxisbeispiel

Hier ein kleines Beispiel für diese Art der Bildkomposition:

Ich laufe durch den Wald, und plötzlich stehe ich vor diesem Motiv. Mein erster Gedanke; “Ach schau, da stellen Menschen zwei Bänke in den Wald, und Mutter Natur lässt ein schützendes Dach darüber wachsen.”

Dieses “Dach” ist insofern bemerkenswert, weil der Baum hinter den Bänken eine Buche ist. Und Buchen haben üblicherweise nur eine Krone hoch oben, aber keine Zweige unten am Stamm.

Noch eine Bitte an dich, wenn du dich als Realist bezeichnest: Komm schon, lass mal fünfe gerade sein. Klar weiß ich, dass es durchaus auch andersrum hätte sein können. Dass das Dach zuerst da war, und die Menschen die Bänke drunter stellten. Aber dann wäre meine Geschichte nicht so wunderbar! 😉

Schau mal:

Anfängerfehler: Ich laufe durch den Wald, erkenne ein Motiv, nehme die Kamera ans Auge, drehe am Zoom um das “ran zu holen” und mache ein Foto. Schlechte Fotografen gehen jetzt weiter. Die Guten wenden meine Tipps an! 🙂

Findest du nicht auch, dass im Bild oben alles so weit weg ist? Man ist gar nicht richtig dran am Motiv. Doch mit den Infos aus diesem Artikel kannst du dir helfen:

Der Baum im Vordergrund, die Baumstämme im Hintergrund und der am linken Bildrand: Sind die wichtig, wenn ich doch Bänke und Baum als Motiv fotografieren will? Nein!

Also an SEX denken, das Motiv durch Vereinfachung klarer herausarbeiten und Überflüssiges weglassen. Geht ganz einfach mit einer Verlagerung des Standpunkts ganz nahe an die erste Bank heran. Zusätzlich ein tiefer Standpunkt, und schon kommt das Dach erst richtig heraus und gleichzeitig werden unwichtige und störende Bäume in Hintergrund verdeckt.

WOW???!!!!!!!!! Wahnsinn, was ein paar Schritte an das Motiv und ein tieferer Standpunkt bringen, oder?

Arbeitest du schon mit der Bildkomposition?

Ist dir bewusst, dass dein Standpunkt die Perspektive grundlegend verändert und damit fast wichtiger ist, als die Kamera und all das andere Equipment?

Hinterlasse jetzt einen Kommentar, wenn ich dir mit der Bildkomposition etwas Neues erzählt habe.

 

19 Kommentare

  1. Manfred Scholz

    Hallo Karsten,
    die Aufnahme ist sehr gut. Das gleiche Thema hatte ich in der VHS Erlangen bei Hr. Krugmann
    besprochen. Wenn man dann später vor so einen Bildausschnitt steht, muss man sich an das erlernte erinnern können. Also viel Übungen.

    Hier ist es kalt und Schnee und doch ein warmes Wochenende für Dich
    Gruß Manfred

    • Es gibt nichts Gutes, außer man tut es. (Kästner)

      Also hau rein! Kälte ist kein Hinderungsgrund. 😉

  2. Klaus

    Hi Karsten,
    schön beschrieben – das verstehe selbst ich 🙂
    Sind es denn wirklich die identischen Brennweiten? Das untere wirkt auf mich schon etwas “weitwinkliger”.
    Gruß
    Klaus

    • Habe ich von identischen Brennweiten geschrieben? Nein!

      Du hast Recht, das untere wurde mit einer starken Weitwinkel-Brennweite gemacht, das obere mit einer Brennweite nahe am Normalobjektiv.

      Gut erkannt! 🙂

  3. Anke

    Boah, danke fürs Teilen dieser Sichtweise! Unter dem Aspekt des Themas “Bänke mit Dach” leuchtet mir das auch ein. Dennoch, ich habe jetzt beide Bilder lange betrachtet und komme zu dem Schluss, dass mir ersteres besser gefällt, weil es die Verlassenheit und Weite des Waldes und die Unendlichkeit des Weges zeigt. Ist das jetzt abhängig vom persönlichen Erleben – oder bin ich untalentiert/beratungsresistent?

    • Hahahaaa, super Anke! Ob du nun untalentiert bist oder nicht – natürlich darfst du deinen eigenen Geschmack haben!!!

      Und wenn dir das erste Foto besser gefällt, auch gut. Klar, wenn es um Verlassenheit und die unendlichen Weiten des Waldes geht, dann kommt das erse Foto natürlich besser.

      Jedem Tierchen sein Pläsierchen! 🙂

  4. Andreas

    Hallo Karsten,
    danke für deine tollen Tips!
    Immer gerne mehr davon!
    Grüße aus Soest
    Andreas

    • Freut mich, dass du meine Beiträge magst! 🙂

  5. Stephanie Irmler (neue EMail: steffi.irmler@gmail.com)

    Toll alles noch mal zu lesen. Ich habe nur das Gefühl je mehr in den Kopf soll und man umsetzen
    will je weniger klappt es. Brauche noch Zeit. Lese aber gerne weiter.

    • Lass dir Zeit, das kommt von alleine. Irgendwann denkst du gar nicht mehr darüber nach, sondern dann machst du das ganz intuitiv! Wart’s ab! 🙂

  6. Michael

    Nochmals Hey,
    Meist bin Ich nicht alleine Unterwegs, dann heist es gleich für was willst du die alten Bänke Fotografieren!Ja es ist richtig man muß sich mehr Zeit nehmen.Gruß

    • Beim Fotografieren lernen muss man gleichzeitig sein Umfeld mit erziehen. Ist leider so. 😉

  7. holger

    Hallo Karsten, sehr gut beschrieben. ..es passiert uns doch immer wieder das wir vieeele Bilder machen , welche dann bei genauerem Betrachten einfach nur langweilig erscheinen.Deine Tipps bringen einen dazu verschiedene Positionen bei der Motivwahl auszuprobieren. Weiter so.

    • Hey Holger, schönen Dank. Ja, ist richtig: Die Wahl des perfekten Standpunkts macht viel aus – ist immerhin 1/4 der Fotografie!! 🙂

  8. Evi

    Hallo Karsten,

    Danke für den Tipp ,die Brille abzunehmen, um das Wesentliche zu erkennen für das Foto.
    Wunderschöne Aufnahme !
    Viele Grüße
    Evi

    • Ja, manchmal kann die Lösung so einfach sein! 🙂 Gern geschehen! 🙂

  9. Ein sehe guter Beitrag, der zeigt, dass es eben NICHT nur auf teures Equipment und die richtige Balance zwischen Iso-Wert, Blende und Belichtungszeit ankommt. Das denken ja viele Fotografie-Anfänger. Heraus kommen dann langweilige Dokumentarfotos.
    Was aber ebenso wichtig ist: die Regeln der Fotografie und als Krönung: deren geschickte Verknüpfung.

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