Zum Inhalt springen

Automatische Kontrastanpassung: JPG vs. RAW

Dieser Artikel ist ein Nachtrag zu meinen Beitrag “Perfekt belichten 5 /5: Automatische Kontrastanpassung”, den du lesen willst, bevor du diesen Artikel liest.

==========================

In einem Kommentar zu o.g. Artikel fragt Reiner:

Hallo Karsten,

guter Tipp, glaube ich. Aber: Für welches Dateiformat gilt er? Bevor ich ins Handbuch schaue, stelle ich die Frage hier, denn die Antwort ist bestimmt auch für andere Fotografen interessant.
Was ich meine, gilt der Tipp für JPG und RAW?
Könnte ja sein, dass Kameras der neueren Generation auch bei RAW-Bildern von Active D-Lighting profitieren.

Grüße
Reiner

 

Ich wusste, dass es so war, hatte aber keine Fotos, mit denen ich das zeigen konnte.

Automatische Kontrastanpassung: RAW vs. JPG – Testbedingungen

Deshalb bin ich heute früh los und habe ein paar Testfotos gemacht. Das Motiv ist zwar nicht besonders kontrastreich, die Unterschiede sind trotzdem erkennbar.

  • In der folgenden Abbildung siehst du Fotos im JPG und RAW fotografiert, jeweils mit und ohne ADL (so heißt die automatische Kontrastanpassung bei Nikon).
  • Um vergleichbare Fotos zu erhalten, entstanden alle Fotos vom Stativ so kurz wie möglich hintereinander (also innerhalb weniger Sekunden). Zum Beweis sieh dir den Dampf über dem Kühlturm an.
  • Alle Fotos wurden manuell mit f 11, 1/4 sec, ISO 100, man. Weißabgleich und Bildstil Porträt fotografiert. Die Unterschiede in Helligkeit und Histogramm kommen also nur durch die automatische Kontrastanpassung ADL zustande.
  • ADL war wie von mir empfohlen auf Automatik eingestellt.
  • Die Fotos wurden alle noch nicht bearbeitet.

 

Automatische Kontrastanpassung: RAW vs. JPG – Ergebnis

Wie du siehst, ist in den Fotos mit ADL jeweils etwas mehr Zeichnung in den Schatten. Sie wirken deshalb auch jeweils einen Tacken heller.

Warum die RAWs bei identischer Belichtungszeit etwas dunkler sind als die JPGs, kann ich mir noch nicht erklären. Ich fahnde mal …

JPG mit und ohne automatische Kontrastanpassung

Da die Unterschiede in den Histogrammen auf den ersten Blick nicht erkennbar sind, habe ich die jeweiligen Histogramme je Dateiformat übereinander gelegt und so nur den Unterschied sichtbar gemacht.

Wie du in der Abbildung links sehen kannst, ist das Histogramm beim JPG mit der automatischen Kontrastanpassung (schwarz) deutlich kleiner, als das ohne die automatische Kontrastanpassung (weiß).

Das wirkt erstmal langweiliger, sorgt aber bei Motiven mit extremem Kontrast dafür, dass das Histogramm beherrschbar bleibt.

RAW mit und ohne automatische Kontrastanpassung

Deutlich anders sieht es beim RAW aus: Hier ist das Histogramm mit automatischer Kontrastanpassung (schwarz) auch kleiner, der Unterschied ist aber längst nicht so groß, wie beim JPG.

Das Histogramm ohne automatische Kontrastanpassung (weiß) ist nur minimal größer, d.h. die automatische Kontrastanpassung hat beim RAW keine so große Wirkung.

Fazit

Was lernen wir daraus? Die automatische Kontrastanpassung kommt beim JPG und beim RAW zur Anwendung. Allerdings sehr unterschiedlich.

Spontan würde ich tippen, dass man dem sog. “Amateurformat JPG” deutlich mehr sichtbare Unterstützung angedeihen lassen will. Und beim sog. “Profiformat RAW” die softwaremäßige Abstimmung der automatischen Kontrastanpassung deutlich geringer ausfallen lässt.

Das ist dann wohl ein Teil der Philsosophie des Kameraherstellers und nicht technisch bedingt: Der Sensor “sieht” das Motiv durch das Objektiv erstmal beim RW und JPG auf die gleiche Weise. Was sich unterscheidet, passiert also beim Abspeichern. Da die automatische Kontrastanpassung per Software in die Fotos eingerechnet wird, wird beim Speichern also festgelegt, wie stark die automatische Kontrastanpassung wirken soll: Beim JPG stärker, beim RAW schwächer.

Wer jetzt noch glaubt, dass ein RAW-Format ein unbearbeitetes (!!!) Bild vom Sensor liefert, darf gerne an sich zweifeln. Und mal darüber nachdenken, ob das RAW-Format wirklich immer und überall das bessere Format ist (was an jeder Straßenecke im Netz so behauptet wird – ich habe das schon immer etwas differenzierter gesehen!). 😉

Eben weil die Unterschiede durch Software entstehen, sind diese Ergebnisse nicht zu verallgemeinern.  Andere Kamerahersteller können durchaus die Abstimmung ihrer Kamerasoftware deutlich anders auslegen. Darum willst du unbedingt, wenn du keine Nikon nutzt, deine eigenen Rückschlüsse für deine Kamera ziehen.

Fragen? Fragen! 🙂

Sei der Erste der einen Kommentar abgibt

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Blogverzeichnis - Bloggerei.de